200 Jahre

Fragt man Wikipedia, ist die erste erfolgreich aufgenommene und erhaltene Fotografie der Welt im Jahr 1826 entstanden. Meine erste Kamera habe ich etwa 170 Jahre später zum Geburtstag erhalten. Eine kleine kompakte Olympus µ [mju:]-I mit 35-mm-Kleinbildfilm, 35 mm Brennweite sowie einer Offenblende von f/3,5. Diese kleine vollautomatische Kamera führt mich noch heute auf eine ähnliche Zeitreise wie der Diaprojektor meines Vaters. Die ganze Woche schwirrte er mir bereits im Kopf herum. Heute habe ich ihn tatsächlich bei meinen Eltern gefunden. Naturgemäß musste er unmittelbar ausprobiert werden. Meine Kinder hatten hauptsächlich Spaß daran, den einzigen dicken grünen Knopf an der kabelgebundenen „Fernbedienung“ zu drücken und die Mechanik auszulösen. Für mich war es wunderbare Nostalgie, die Fotos meiner Kindheit in einem so großen Format zu sehen. Analog aufgenommen mit einer Canon EOS 600 (ohne D) und gestochen scharf mit einem Reflecta AF 1800 auf eine Leinwand projiziert. Dieses Gefühl kann kein Monitor auf dieser Welt erzeugen.

Sehenswert: Architekturfotograf Iwan Baan

Immer wieder wird von Architektur-Fotografien eine gewisse Sterilität gefordert. Jeder Stuhl soll parallel zur Tischkante ausgerichtet werden und es sollen möglichst wenige Menschen erscheinen. Ist es nicht seltsam etwas, das für und durch den Menschen geschaffen ist, menschenleer und unbewohnt darzustellen? So sind doch die Wenigsten dazu bereit für eine Theateraufführung zu Zahlen, bei der die Akteure hinter der Bühne verbleiben. Der Architekturfotograf Iwan Baan zeigt in seinem Vortag, dass erst die Bewohner eines Raumes, dessen Architektur definieren und zum Leben erwecken. Um es mit den Worten Renzo Pianos zu sagen „Die Qualität von Städten und Plätzen läßt sich am Reißbrett entwerfen, ihre Schönheit kommt durch die Zeit.“

Das folgende Youtube Video zeigt einen Vortrag von Iwan Baan: